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SAP-Doppelspitze

Meinungsvielfalt eines Monopolisten

Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe

In den vergangenen Jahren war bei SAP viel die Rede von Doppelspitze und Aufgabenteilung. Dieses Jahr ändert sich das Bild radikal. Vor wenigen Wochen noch lobten SAP-Pressesprecher und der anwesende Co-CEO das Konstrukt der Doppelspitze in höchsten Tönen. Bill McDermott war zur CeBIT angekündigt, aber verhindert. Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde von Co-CEO Jim Hagemann Snabe am SAP-Messestand begrüßt.

Im Mai wird die SAP-Doppelspitze abgewählt und Jim Hagemann Snabe in den Aufsichtsrat gewählt. Ein fast einmaliger Vorgang bei einem Dax-Konzern: Ein Vorstand wechselt ohne Compliance-Bedenken in den Aufsichtsrat. SAP-Mitgründer, Großaktionär und Aufsichtsratsvorsitzender Hasso Plattner will es so. Es ist mehr als eine Laune. Es ist die Spitze eines Eisbergs, den viele Bestandskunden in der SAP-Community noch nicht wahrgenommen haben. Die Gefahr lauert im Verborgenen. Und die europäischen SAP-Kunden und Partner sollten besorgt sein. Jahrzehntelang haben sie SAP zur aktuellen Gestalt geformt. Jetzt entgleitet ihnen der ERP-Konzern und unter der Oberfläche lauert Unbekanntes. Letztendlich zählt beim ERP-Weltmarktführer nur die Stimme von Hasso Plattner. Er wollte die Doppelspitze mit McDermott und Snabe. Er will jetzt McDermott als alleinigen SAP-Chef und Snabe im Aufsichtsrat.

SAP Board 2008

Der SAP-Vorstand 2008, v.l.n.r.: Claus E. Heinrich, Werner Brandt, Jim Hagemann Snabe, Ernie Gunst, Henning Kagermann, Léo Apotheker, Bill McDermott, Peter Zencke, Gerd Oswald und John Schwarz – auch damals schon unter der Doppelspitze Kagermann/Apotheker.
 

Die Doppelspitze Kagermann/Apotheker mag eine Verlegenheits- und Übergangslösung gewesen sein. Professor Henning Kagermann war in jeder Situation das unangefochtene und souveräne Alphatier – unabhängig davon, wer immer auch neben ihm stand. Die Haltbarkeitszeit eines alleingelassenen Léo Apothekers war dann auch nur neun Monate. Es folgte zur Überraschung vieler wieder eine Doppelspitze. Diesmal jedoch mit einem klaren, strategischen Fokus: Die zwei Seiten einer Medaille waren Vertrieb und Technik, waren aber auch Tradition und Globalisierung sowie Europa und Amerika. Co-CEO Bill McDermott ist der smarte Amerikaner, wie geschaffen für glamouröse Auftritte auf der Sapphire Orlando und Schanghai sowie in den zahlreichen Talkshows englischsprachiger TV-Sender. Sein Facebook-Profil verrät seinen Hang zur Politik und dem Showbiz. Co-CEO Jim Hagemann Snabe hat kein Facebook-Profil, dafür bald zwei Aufsichtsratsmandate: Siemens und SAP. Er versteht die europäischen SAP-Bestandskunden mit der R/1-, R/2- und R/3-Vergangenheit. Snabe handelt und denkt europäisch. Sein Zeit- und Situationsgefühl ist europäisch. Diese Werte brachten ihn in Konflikt mit seinem Vorstandskollegen und SAP Chief Technology Officer Vishal Sikka, der Hasso Plattner auf seiner Seite wusste. Entnervt gab Snabe auf. Die Flucht misslang. Er wurde von Plattner in den Aufsichtsrat weggelobt. Der vorerst letzte Akt findet am 21. Mai auf der SAP-Hauptversammlung in Mannheim statt. Damit ist die Handlung vor dem Vorhang hinreichend beschrieben. Was aber geschah in den vergangenen Monaten hinter der Bühne?

Alle Geheimnisse der SAP
Es ist keine Frage der Doppelspitze – man könnte auch eine Dreifachspitze installieren: Europa, Amerika, Asien. Das Geheimnis der SAP liegt in den inoffiziellen Entscheidungswegen und Hierarchien sowie der eben nicht vorhandenen Meinungsvielfalt. Hasso Plattner war immer präsent und tonangebend. Als Mitgründer und Großaktionär ist es letztendlich unerheblich, welchen offiziellen Titel man trägt. Plattner ist zupackend, pragmatisch und visionär. Für Menschen, die ihn nicht gut kennen, mag diese charakterliche Kombination befremdend sein. Aber es funktioniert. Und der Erfolg gibt Plattner recht. Zweifel sind unerheblich und unbegründet. Dennoch lohnt es sich, ein paar seiner weitreichenden Entscheidungen näher zu betrachten, denn er gibt im SAP-Universum für alle Belange den Ton an. Die Stimme der SAP ist die Stimme von Hasso Plattner. Sein Verstärker ist Vishal Sikka. Zweitrangig ist eine Doppelspitze oder ein amerikanischer CEO.

SAP Board 2014

Der SAP-Vorstand 2014, v.l.n.r.: Noch Co-CEO Jim Hagemann Snabe wechselt im Mai in den Aufsichtsrat, Gerd Oswald bleibt noch bis 2016, Werner Brandt übergibt das Finanzressort an Luka Mucic, Vishal Sikka will Co-CEO werden und CEO Bill McDermott.
 

Der erste Versuch: Shai Agassi
Der erste Ziehsohn, den sich Hasso Plattner in den SAP-Vorstand holte, war der junge israelische Entrepreneur Shai Agassi. Aus der Familie Agassi stammt das heutige SAP Business One, damals vermarktet unter dem Namen TopManage. Aber die technologischen Assets waren nicht der Grund, warum Plattner und Agassi sich fanden. Es ging um mehr, um die Zukunft der SAP. Walldorf hatte eine gute Mannschaft, die im Wesentlichen aus Ex-SAP-Chef Henning Kagermann (heute Berater der Bundesregierung in Berlin), Finanzvorstand Werner Brandt, Technikvorstand Peter Zencke und Langzeitvorstand Gerd Oswald für Service und Support bestand. Kagermann führte den ERP-Konzern souverän, bedächtig und ruhig durch alle Untiefen. Brandt hatte die Finanzen fest und konservativ im Griff – auch hier drohte keine Gefahr. Die Geldmaschine „Pflegegebühr“ verwaltete Oswald geschickt und weitsichtig. Nur im technischen Bereich wollte Zencke nach dem genialen Entwurf eines dreistufigen Client-Server-Modells für R/3 nichts mehr wirklich gelingen. Plattner wurde nervös und schaute sich nach jungen Talenten um. Er fand Shai Agassi. Und Shai war sehr ambitioniert und talentiert. Wie sein Mentor bevorzugte er das Silicon Valley als Arbeitsplatz. Die USA standen damals bei Plattner schon hoch im Kurs. Aber Agassi war auch Europäer – zumindest Israeli – und somit auch anerkannt und gerne gesehen bei den europäischen SAP-Bestandskunden. Eigentlich gab es nur ein Problem: Die Chemie zwischen Kagermann, Zencke und Agassi passte nicht. Im mehreren Hundert Fotos umfassenden Archiv der SAP gibt es nur ein Foto, auf dem Kagermann sehr ernst, fast böse schaut. Auf der Sapphire 2006 in Paris steht er Shai Agassi gegenüber. Beide fixieren sich grimmig Auge in Auge. Somit war es nur eine Frage der Zeit, bis Hasso Plattner die Reißleine zog und seinen Kronprinzen ziehen lassen musste. Das interne Duell hatten Henning Kagermann und der aufstrebende Léo Apotheker gewonnen. Peter Zencke manövrierte sich selbst mit Business ByDesign ins Abseits. Kagermann hatte sein Ticket nach Berlin. Agassi war weg und der Weg an die Spitze für Apotheker frei. Als kosmetische Zwischenstufe gab es die erste Doppelspitze bei SAP: Henning Kagermann und Léo Apotheker.

Die zweite Doppelspitze
Die Amtszeit von Léo Apotheker dauerte nur neun Monate und Hasso Plattner musste wieder eine neue Führung für seinen ERP-Konzern suchen. Es wurde wieder eine Doppelspitze, diesmal jedoch nicht aus kosmetischen Gründen, sondern mit Kalkül und Strategie. In einem Punkt hatte Apotheker recht: Die Globalisierung ist die Zukunft von SAP. Was er übersah, sind die Wurzeln von SAP. „Think global, act local“ ist für SAP ein wichtiger Wahlspruch, weil die meisten ERP-Innovationen in Zusammenarbeit mit europäischen SAP-Bestandskunden entstanden sind. Plattner setzte auf Internationalisierung und berief eine Doppelspitze bestehend aus dem Amerikaner Bill McDermott und dem Dänen Jim Hagemann Snabe. Beide haben sehr unterschiedliche Berufswege und theoretisch würden sie sich bestens ergänzen – was am Anfang möglicherweise auch so war. Es gibt kaum Kompetenzstreitigkeiten und Überschneidungen zwischen den Co-CEOs. Schnell galt McDermott als der Verantwortliche für Amerika und Asien, während Snabe Deutsch lernte und eine harmonische Beziehung zu den europäischen Bestandskunden aufbaute. Kurze Zeit schien es, als ob SAP ein Erfolgsmodell gefunden hätte. Durch Firmenübernahmen und Aufkäufe wurde der Walldorfer Konzern nicht nur größer, sondern auch bunter und vielfältiger. Der Vorstand war repräsentativ und es existierte fast so etwas wie Meinungsvielfalt – zumindest an der Oberfläche. Der ERP-Monopolist sprach mit mehreren Stimmen und in der B2B-Szene schien es kaum mehr einen Platz zu geben, wo SAP nicht erfolgreich sein könnte. Der teure Befreiungsschlag von Léo Apotheker wurde mit McDermott und Snabe zum Triumphzug.

Co-CEO Snabe machte seine Sache sehr gut. Den jährlichen Gastvortrag beim DSAG-Jahreskongress hielt er bereits bei seinem zweiten Besuch in deutscher Sprache. Eine begeisterte Community spendete ihm minutenlangen Applaus. Jim Hagemann Snabe war auf dem besten Weg, das Erbe des überall geschätzten und angesehenen Gerd Oswald zu übernehmen. Es sah danach aus, als ob Snabe alle guten Eigenschaften von Henning Kagermann, Shai Agassi und Gerd Oswald in sich vereinen könnte: Auf der CeBIT übernahm er von Kagermann die Rolle eines perfekten Gastgebers für Bundeskanzlerin Merkel. Mit seinen inzwischen perfekten Deutschkenntnissen war er ein kompetenter und seriöser Gesprächspartner für Angela Merkel. Sein Englisch und die Bühnenpräsenz waren ebenso lebendig und einnehmend wie zu den besten Zeiten von Shai Agassi. Seine erfolgreichen DSAG-Auftritte und die zahlreichen Kontakte zu den europäischen Bestandskunden brachten ihm viel Sympathie und Renommee, sodass er sich hier zum würdigen Nachfolger von Gerd Oswald positionierte. In Summe wäre Jim Hagemann Snabe der beste Nachfolger des großartigen Henning Kagermann geworden und in jedem Fall der beste CEO für einen europäischen IT-Konzern.

Die amerikanische Doppelspitze
Hasso Plattner ist im Lauf seines Lebens zum Befürworter des American Way of Life geworden. Anlässlich der Eröffnung eines SAP Innovation Centers in Potsdam Anfang dieses Jahres erklärte er in seinem Einführungsvortrag, was er unter gutem Design und Benutzerfreundlichkeit versteht: Wie entsteht im Haus von Plattner eine Pizza? Er verwendet dazu einen amerikanischen Mikrowellenherd, der den Designvorstellungen des SAP-Mitgründers entspricht. Das Gerät hat genau einen Knopf, auf diesen drückt Plattner so lange, bis die Pizza knusprig und wohlschmeckend ist. Viel Beifall fand diese lebhafte Schilderung eines Kochvorgangs. Fairerweise muss gesagt werden, dass man in Europa naturgemäß unter einer Pizzazubereitung etwas anderes versteht und wahrscheinlich ein ERP-Programm komplexer ist als ein Pizzateig. Aber simples Design, ohne Studium von Handbüchern, ist das neue Jahresziel bei SAP. Das ist auch die aktuelle Meinungsvielfalt bei SAP. Beim ERP-Monopolisten gilt momentan nur die Stimme von Hasso Plattner, unabhängig davon, ob diese Woche In-memory-Computing und nächste Woche Pizza, Design oder Mobile auf der Karte steht.

In diesem monolithischen Meinungsumfeld hatte Jim Hagemann Snabe schlechte Karten gegenüber der neuen amerikanischen Doppelspitze: Bill McDermott und Vishal Sikka. McDermott hat bisher einen großen Bogen um Europa gemacht. Nur wenn Hasso Plattner persönlich zu einer Aufsichtsratssitzung einlädt, wie zuletzt Anfang Februar in Potsdam, kommen McDermott und Sikka nach Europa. Natürlich sind beide auch zur jährlichen Hauptversammlung im Mai in Mannheim anwesend. Aber schon eine CeBIT, als die noch immer weltgrößte IT-Veranstaltung, oder eine Sapphire in Madrid ist für McDermott kein Grund, Europa einen Besuch abzustatten. Ganz im Gegenteil: Er lässt sich zwar jeweils ankündigen, um vielleicht im Vorfeld keine schlechte Stimmung aufkommen zu lassen, aber anwesend war der Amerikaner noch nie. Pragmatisch kann auch die Frage gestellt werden: Warum? Die größten Firmenzukäufe der vergangenen Jahre absolvierte SAP in den USA. Mit Vishal Sikka in Palo Alto liegt das Technologiezentrum der SAP im Silicon Valley. Und Hasso Plattner ist mindestens sechs Monate pro Jahr in Amerika. Die offizielle SAP-Doppelspitze wird bis Mai dieses Jahres McDermott und Snabe sein, die inoffizielle Doppelspitze ist schon seit vielen Monaten McDermott und Sikka. Diese Konstellation kann gut gehen, muss aber nicht: Bill McDermott ist und bleibt Amerikaner. Er erwähnte, dass er sich in Heidelberg ein Haus zulegen und mit dem deutschen Betriebsrat Grillfeste veranstalten will, die meisten Beobachter betrachten dies aber rein als strategische Verbalfinte. Tatsache ist, dass sich McDermott noch viel vorgenommen hat – nicht bei SAP. Er ist sehr strebsam und sein Ziel wird wahrscheinlich ein wesentlich besser dotierter CEO-Sessel bei einem amerikanischen Unternehmen sein. Dieses Streben darf ihm nicht negativ ausgelegt werden, denn die Gehaltsunterschiede des Top-Managements sind zwischen Kontinentaleuropa und UK und den USA eklatant. In einer vergleichbaren Position könnte Bill McDermott bei einem US-Konzern das Drei- bis Fünffache verdienen. Somit ist es eine legitime Erwartungshaltung, bis McDermott seinen erfolgreichen Abschied nimmt.

Der zweite Versuch: Vishal Sikka
Hasso Plattner ließ sich durch das Scheitern mit Shai Agassi nicht entmutigen: Schon bald fand er in Vishal Sikka einen ähnlich genialen Entrepreneur. Sikka kommt aus Indien und hat damit einen ganz anderen gesellschaftlichen Hintergrund als der Israeli Shai Agassi. Aber Sikka ist genauso brillant und innovativ. Was ihm fehlt, sind das Gespür für Europa und die Verantwortung eines Dax-Vorstands. Vishal Sikka ist der beste Erfüllungsgehilfe für Hasso Plattner, aber wahrscheinlich kein Top-Manager, der 20.000 SAP-Mitarbeiter führen kann. Sikka ist Mathematiker, Erfinder und Visionär. Somit gehen ihm viele Entwicklungen viel zu langsam voran. Er ist ein Kind des Silicon Valley, wo Erfindungen schnell umgesetzt werden und genauso schnell wieder verschwinden. Damit liegt er auf einer Wellenlinie mit Plattner und im Widerspruch zu Snabe. Letztendlich war es das zerrüttete Verhältnis zwischen Vishal Sikka und Jim Snabe, das Hasso Plattner dazu verleitete, signifikante Aufgaben aus dem Bereich der SAP-Produktentwicklung von Snabe an Sikka zu übertragen. Und Sikka ist ähnlich ehrgeizig wie McDermott, wenn auch im ganz anderen Sinn. McDermott will eine internationale Managerkarriere bei einem US-Konzern. Sikka will die ganze Liebe und Zuwendung von Hasso Plattner, alle Verantwortung bezüglich Technologie, Forschung und Entwicklung bei SAP sowie letztendlich einen Co-CEO-Posten mit Bill McDermott. Die Wahrscheinlichkeit, dass SAP bald wieder eine Doppelspitze hat, ist groß.

Beide Charaktere sind grundverschieden und dennoch passiert ihnen dasselbe Missgeschick: Léo Apotheker und Vishal Sikka unterschätzen die tiefen und erfolgreichen Wurzeln der SAP in Europa und besonders in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Nichts spricht gegen eine globale SAP mit internationalen Forschungs- und Innovationszentren, aber wie immer man auch die ERP-Szene betrachten will, die Wurzeln liegen in Europa. Gute und wichtige IT-Werkzeuge werden heute überall erfunden und gebaut. Ob nun Hana mehrheitlich in Palo Alto bei Sikka, in China oder in Walldorf entsteht, ist nicht relevant. Hana ist eine hervorragende SQL-In-memory-Datenbank, die einigen SAP-Bestandskunden wesentliche Vorteile bringt. Vishal Sikka macht aber Hana – mit offensichtlicher Billigung von Plattner – zum Zentrum aller SAP-Strategien und Produktentwicklungen. Diese Radikalität ist aus Sikkas Sicht logisch und konsequent, sie geht aber an dem Wesen einer ERP- und SAP-Business-Suite-Lösung vollkommen vorbei. Noch immer sind es die betriebswirtschaftlichen Standardprozesse, die eine SAP einzigartig machen.

Die Zukunft: Dreifachspitze
Simpel und berechenbar schaut die Zukunft von SAP aus: Hasso Plattner bleibt auf absehbare Zeit die Stimme der SAP. Die vermeintliche Meinungsvielfalt besteht aus seiner visionären Launenhaftigkeit. Und in Vishal Sikka hat er dafür einen genialen Verstärker. McDermott ist ein hervorragender Manager, der sicher SAP keinen Schaden zufügt– jedoch bei erster sich bietender Gelegenheit einen erfolgreichen Absprung probieren wird. Abgesehen von Gerd Oswald hat Plattner den Vorstand in den vergangenen Monaten auf das Notwendigste reduziert, sodass mittelfristig SAP von einer Dreifachspitze geführt wird: Plattner, McDermott und Sikka. Selbst einen Personalvorstand sucht man in Walldorf vergeblich. Inwieweit sich das SAP-Schattenkabinett – Global Managing Board, siehe nächste Seite – etablieren und Einfluss gewinnen kann, wird sich erst entscheiden. Aufgrund der großen, breiten und erfolgreichen Kundenbasis besteht für SAP keine betriebswirtschaftliche Gefahr. Ähnlich wie Oracle mit seiner Datenbank, Microsoft mit Office und Windows, so steht auch SAP mit ERP und der Business Suite hervorragend da – ganz unabhängig ob on-premise oder on-demand (Cloud Computing). Die Diskussion bezüglich In-memory-, Cloud- und Mobile-Computing hat großen Unterhaltungswert, ist aber in keiner Weise Schicksal entscheidend für SAP. Was wird demnach die Zukunft von SAP bestimmen? Allein das Beziehungsmanagement, die Information und Kommunikation mit den Bestandskunden und potenziellen Neukunden. SAP ist erfolgreich gewachsen aus einem tiefen Verständnis der Herausforderungen bei den Kunden. SAP hat früh gelernt, die Sprache der Kunden zu sprechen. SAP pflegte immer ein sehr nahes Verhältnis zu den Kunden. Auch heute ist es überwiegend so: Kundenanfragen, Probleme, Eskalationen haben höchste Priorität. Wenn es „brennt“, kann man sich auf die Truppe aus Walldorf noch immer verlassen – vollkommen ungeachtet der momentan aktuellen Technik. Das galt zu R/2-Zeiten mit dem Mainframe, zu R/3-Zeiten mit Client-Server-Computing und das gilt aktuell für ERP und Business Suite. In-memory-, Cloud- und Mobile-Computing sind sekundär. Primär sind die Community und das Bestandskundenbeziehungsmanagement. Hier ist SAP Weltmarktführer und deswegen sollte die Zukunft der SAP in Händen eines Jim Hagemann Snabe und nicht bei Vishal Sikka liegen. Aktuell gilt es, die Dreifachspitze zu beobachten – langfristig wird SAP sehr erfolgreich bleiben, wie es auch schon in der Vergangenheit war.

26 Kommentare zu “Meinungsvielfalt eines Monopolisten”

  1. Nguyen sagt:

    SAP ist mittlerweile kein ERP-Software-Hersteller mehr, sondern mit HANA ein IT-Plattform-Anbieter wie Oracle mit Datenbank, Microsoft mit Office, oder Google mit Suchmachine anfing.
    Eine Dreifachspitze, die in Sillicon Valley und Philadenphia sitz, zeigt sich, wie der Schwerpunkt der Weltwirtschaft sich stetig in den letzten und nächsten 30 Jahre ändert, nämlich die Verlagerung von Europa über Amerika nach Asien. SAP verdient derzeit noch mit ERP, CRM, oder im Allgemein noch mit Business Suite, allerdings mehr mit HANA als eine Plattform für alle IT-Lösungen im Unterhaltungsindustrie, Medien, Sport etc, wo bis heute nur von Apple, Facebook, Yahoo beherrscht werden.
    Die neue Strategie bei SAP ist daher für die verkrusteten Kunden und Partnern in Europa schwer nachvollziehbar, weil viele davon noch eher Risiko als potentielle Chance für neue Geschäftmodelle sehen oder erkennen.
    Ich bin froh, dass SAP mit Fiori und openUI5 die wichtige Entscheidung für die Zukunft getroffen hat, was SAP vor 15 Jahren im CRM mit Hände und Füsse wehrte.

  2. Z Birla sagt:

    “The discussion regarding in-memory, cloud and mobile computing has great entertainment value, but is in no way fate critical to SAP.”

    What exactly are you smoking? Is this the current thinking in Europe? Do you not see where all this is headed?

  3. RedTrack.ME sagt:

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  15. Hello to everyone in the global SAP Community. I am editor-in-chief at the E-3 Magazine published in Germany, Austria and Switzerland (www.e-3.de). There are many rumours about an article that describes the current situation within SAP. The focus of the article lies on Jim Hageman Snabe and Bill McDermott. In respect to Vishal Sikka he is a follower of Shai Agassi and an idea of Hasso Plattner. There is nothing wrong with Vishal Sikka but SAP is a German based company. All innovation is coming out of “old Europe” – even Hana was invented in Europe: originally SanssouciDB in Potsdam at the Hasso Plattner Institut (HPI). Every part of the article (http://www.e-3.de/artikel/doppelspitze/) is based on the opinion within the German speaking SAP-Community. Maybe we should visit each other to learn from each other. Jim Hagemann Snabe has learned German to understand the roots of SAP. Many comments in the SAP-R/3-Abap-Code are still written in German. Even Vishal Sikka mentions in his blog a German author (Hermann Hesse). Now all executives at SAP are working in Walldorf, Germany – expect CEO Bill McDermott and board member Rob Enslin. Maybe we should talk about the importance of being a board member of a German based DAX company. I am not sure if Vishal Sikka was realising this part of his duties. Global is great and important but you should never forget where your roots are. The roots of SAP are in “old Europe”.

    Peter M. Färbinger, pmf@b4bmedia.net

  16. Albrecht Berblinger sagt:

    @Nguyen
    ZITAT:
    “..Die neue Strategie bei SAP ist daher für die verkrusteten Kunden und Partnern in Europa schwer nachvollziehbar, weil viele davon noch eher Risiko als potentielle Chance für neue Geschäftmodelle sehen oder erkennen…”

    Es sind die “verkrusteten Kunden und Partner”, die über die vergangenen Jahrzente an de Spitze des ERP-Marktes gebracht haben.
    Jetzt will die SAP plötzlich eine Andere sein, nicht so langweilig europäisch. Ganz wie ein Mitfünziger in den Midlife Crisis.

    Mal sehen wie lange es dauert, bis die junge Geliebte namens HANA wieder zugunsten der alten “Ehefrau” ERP-Kunde wieder abgelegt wird.

    Vielleicht wartet dann da jemand mit dem Nudelholz, oder packt schon die Koffer ;)

  17. […] American, Bill McDermott. 5. Sikka’s exit process gathered speed after a German magazine DAS E-3 published a critical article about SAP’s internal politics, the German-American power […]

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  24. […] been consistent chatter about an internal power struggle at SAP for some time. A story in the German business magazine DAS-E3 portrayed Sikka as the loser in a complicated political battle for Plattner’s favor. On his […]

  25. […] has been consistent chatter about an internal power struggle at SAP for some time. A story in the German business magazine DAS-E3 portrayed Sikka as the loser in a complicated political battle for Plattner’s favor. On his […]

  26. snk.to/DOgj sagt:

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    Hello my mates, how is everything? Here it is truly nice YouTube video clips collection. i enjoyed a lot.

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